12. Unternehmertreff:
Regionale mit neuen Impulsen für Automobilzulieferer
Die Regionale 2013 setzt schon jetzt wichtige Impulse für die zukünftige Entwicklung der Automobilzulieferer in Südwestfalen. Mit gleich drei Projekten aus dem Strukturförderprogramm des Landes soll die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der Branche gestärkt werden.
„Ich kann nur alle Unternehmerkollegen dazu auffordern, sich persönlich und in letzter Konsequenz auch finanziell an diesen Projekten zu beteiligen“, appellierte Arndt G. Kirchhoff beim 12. Unternehmertreff des Automotive Netzwerks Südwestfalen. Als Gesellschafter von Kirchhoff Automotive und Gastgeber der Veranstaltung machte er deutlich, dass es mit der öffentlichen Förderung durch Land und EU allein nicht getan ist. Kirchhoff ging es vor allem um das in Attendorn geplante Automotive-Center Südwestfalen (ACS), das sich künftig schwerpunktmäßig dem Automobilen Leichtbau widmen soll. Schon heute befassen sich viele südwestfälische Zulieferer mit immer leichteren Bauteilen, die dennoch eine hohe Festigkeit haben und gleichzeitig auch im Crash-Test gute Noten erzielen. ACS soll nun künftig in Kooperation mit den Hochschulen eine wichtige Schnittstelle zwischen den Entwicklungsbereichen der Fahrzeughersteller und den Zulieferern besetzen. Gemeinsam will Südwestfalen damit u. a. an neuen Verbundtechnologien arbeiten – vor allem im vorwettbewerblichen Bereich.
Einen völlig anders gelagerten Schwerpunkt verfolgt das geplante Kompetenzzentrum für Fahrzeug-Elektronik (KFE) in Lippstadt. Hier steht vor allem die Elektromobilität mit der Fragestellung im Mittelpunkt, wie denn die unterschiedlichsten Bordspannungen gemanaget werden können. Sie reichen von 600 Volt beim Elektromotor bis zur 12 Volt Innenraumbeleuchtung. Auch steht Abwärme für die Innenraumheizung und eine ausgewogene Temperierung der Batterie nicht mehr zur Verfügung.
KFE und ACS, berichtete Regionale-Geschäftsführer Dirk Glaser, sollen nun noch enger aufeinander abgestimmt und zu einem gemeinsam förderfähigen Antrag entwickelt werden. Bereits gestartet ist hingegen das Regionale-Projekt „Branchenkompetenzen“. Seit Anfang Mai sind die Diplom-Ingenieure Andreas Becker und Hans-Joachim Hagebölling als Technologiescouts u. a. in den Unternehmen der Automotive-Industrie unterwegs, um neue technologische Potenziale zu erschließen und Kooperationen zu unterstützen. Marktlotse Jürgen Scherf öffnet der Branche neue Vertriebswege und Kirsten Staubach entwickelt ein Gemeinschaftskonzept zur Fachkräftegewinnung der südwestfälischen Kompetenzbranchen.
12. Unternehmertreff: Regionale mit neuen Impulsen für Automobilzulieferer
10. Unternehmertreff:
Verbrennungsmotor bleibt Antriebsform der näheren Zukunft
Bei der Bewältigung der weltweiten Automobilkrise wird von der Elektromobilität eine Schlüsselfunktion erwartet. „Auch in 20 Jahren ist der Verbrennungsmotor die dominierende Antriebsform unserer PKW“, glaubt indes Shell-Oil Deutschland.
An eine technologische Zeitenwende im Verkehrsbereiche, wie es der nationale Aktionsplan Elektromobilität der Bundesregierung verspricht, mag Shell-Chefvolkswirt Dr. Jörg Adolf nicht so recht glauben. Er stellte die von ihm verantwortete mittlerweile 25. Ausgabe der anerkannten Shell-PKW-Szenarien beim 10. Unternehmertreff des Zulieferer-Netzwerks Automotive-Südwestfalen vor. Shell prognostiziert darin die Entwicklung der Antriebsarten bis 2030 für ein Szenario ohne und mit massiven staatlichen Fördermaßnahmen für Elektromobilität. Letzteres führt in der optimistischen Variante in 20 Jahren zu einem Elektro-Anteil an den Neuzulassungen von 10 %. Trotzdem werde der Bestand an Elektrofahrzeuge noch deutlich unter einer Million Fahrzeugen bleiben und damit die Meßlatte des Aktionsplans deutlich reißen. Adolf: „Dass es überhaupt zu diesem schon relativ optimistischen Szenario kommt, hängt von großen Fortschritten bei der Batterie-Technologie und beim Ausbau der Lade-Infrastruktur ab.“ Ohne diese Fortschritte behielten Elektro-Fahrzeuge mit ihrer bisher geringen Reichweite eine Nischenrolle.
Adolf prognostiziert stattdessen eine „markant starke Tendenz zur Hybridisierung der PKW-Flotte“. 2030 soll bereits jedes 2. Neufahrzeug aus der Kombination von Verbrennungs- und Elektromotor bestehen, einhergehend mit einer Kraftstoffersparnis von ca. 35 %. Der Gesamt-Kraftstoffverbrauch gehe daher signifikant um etwa 20 % zurück. Deutliche Erfolge erwartet Shell auch bei den CO2-Emissionen. Sie sollen von aktuell 110 Mio. t auf im Optimum etwa 70 Mio. t jährlich zurückgehen. Dazu tragen gleich mehrer Faktoren bei: Elektro- und Hybridantriebe, verstärkter Einsatz von Biokraftstoffen, eine weitere Verbesserung konventioneller Mineralölkraftstoffe und eine insgesamt sparsamere Fahrzeugflotte, die durchschnittlich nur noch 5,2 l/100 km (aktuell 7,8) verbraucht. Eine wirksame Umweltentlastung könne der Elektromotor aber nur mit einem deutlich höheren Anteil CO2-neutraler Stromerzeugung erreichen. Auf Basis des heutigen Strommixes habe der Elektromotor gegenüber dem Verbrennungsaggregat nur einen geringen Klima-Bonus.
Alles in allem erwart Mineralölproduzent Shell einen Rückgang im Markt des Kerngeschäfts mit fossilen Kraftstoffen um etwa 1/3. Da alternative Antriebs- und Kraftstoff-Technologien wegen ihrer hohen Forschungs- und Entwicklungsarbeit nach wie vor sehr teuer seien, benötigten Automobil-Produzenten und Kraftstoff-Anbieter stabile Rahmenbedingungen. Dazu bedürfe es nicht allein nationaler, sondern vor allem globaler Technologiekonzepte für nachhaltige Mobilität, denn nur über hohe Stückzahlen könnten die ernormen Vorlauf-Investitionen getragen werden.
Elektromobilität: Fortschritte bei der Speichertechnik und dem Ausbau der Lade-Infrastruktur sind unverzichtbar
Kommt nach der Durststrecke der Boom?
„ImLaufe des Jahres 2009 wird sich die Zurückhaltung der deutschen Kunden auflösen und in einem wahren Boom entladen!" Diese für manchen Zulieferer unerwartete These vertrat der Auto-Experte Dr. Helmut Becker beim 9. Unternehmertreff des Automotive-Netzwerks Südwestfalen.
Der ehemalige Chef-Volkswirt von BMW machte den gebeutelten Zulieferern mächtig Mut: „Die deutsche Automobil- und Zulieferindustrie hat so viele Fähigkeiten und Know-how, dass sie aus dieser Krise zwar etwas gerupft, aber insgesamt gestärkt herauskommt." Zwar werde es im ersten Quartal 2009 noch Kurzarbeit geben, aber „ich würde keinen einzigen Mitarbeiter entlassen, denn in ein paar Monaten werden die dringend für Sonderschichten gebraucht". Die südwestfälischen Zulieferer sind nach seiner Meinung im internationalen Vergleich besser aufgestellt als je zuvor. Sie müssten jetzt eine sechsmonatige „Trockenperiode" überstehen. Die in dieser Zeit einsetzende Marktbereinigung biete den dynamischen Unternehmen der Region anschließend die Chance, neue und alte Märkte zu besetzen. „Nutzen Sie die Gelegenheit, nun die regionalen Kooperationen weiter auszubauen", appellierte er.
Axel Vollmann, Geschäftsführer der Vollmann-Group aus Gevelsberg, hörte die Prognosen für das zweite Halbjahr gerne, denn: „Unsere Aufträge sind zum Ende des Jahres mit einem Schlag um 30 bis 35 Prozent eingebrochen. Ein paar Monate können wir sicherlich auch mit einem Umsatzverlust leben, ohne Stellen abzubauen. Dann allerdings müsste es auch wieder aufwärts gehen." Anderenfalls sehen er wie auch viele andere Zulieferer große Probleme, die Stammbelegschaft zu halten. „Das ist eine schwierige Situation, aber wir dürfen auch den Optimismus nicht verlieren", fühlte sich der Vizepräsident der SIHK Hagen durch Dr. Becker gestärkt. Auch Friedrich W.R. Brökelmann (Brökelmann Aluminiumwerk GmbH & Co. KG, Ense), sah trotz aller momentanen Probleme keinen Grund für eine Weltuntergangsstimmung. „Wir kommen gut zurecht." Mit einer neuen Aluminiumlegierung, die hohe Festigkeit mit guten Dehnwerten verbinde, entwickle man gemeinsam mit einigen Automobilherstellern neue Einsatzmöglichkeiten für Brökelmann-Produkte. „Die Klima-Diskussion begünstigt uns dabei natürlich!"
Nach Ansicht Beckers und der Zuliefer muss es nun vorrangiges Ziel der Politik sein, beim Bürger wieder Zukunftsvertrauen zu wecken. „Anfang des Jahres wird die Bundesregierung mit einem Konjunkturprogramm oder Steuersenkungen eingreifen", ist sich der Auto-Experte sicher. Vieles spreche dann dafür, dass sich der Nachfragestau wie schon nach der Ölkrise 1974 exposionsartig auflöse - vielleicht schon im April/Mai. „Die Autoindustrie wird durchstarten und wenn die hohen Lagerbestände bei Neufahrzeugen abgebaut sind, dann profitieren ab September auch die Zulieferer." Der Aufschwung werde über mehrere Jahre andauern, erwartet Becker.
Dr. Manfred Schubert aus dem Bundeswirtschaftsministerium in Berlin konnte hingegen abgesehen von der 2-jährigen Kfz-Steuerbefreiung für Neuwagenkäufe keine besonderen Konjunktur-Impulse des Bundes verkünden. Auch Liquiditätshilfen nach US-Vorbild hatte er nicht im Gepäck. Stattdessen habe die Bundesregierung ein neues, zeitlich auf 2009 befristetes Instrument der staatseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zur Stabilisierung des Mittelstandes geschaffen. Alle Unternehmen mit einem Gruppenumsatz von bis zu 500 Mio. € können daran teilnehmen. In diesem Zusammenhang könne durch die Hausbanken eine bis zu 90-prozentige Haftungsfreistellung bei Investitionen und von 50 % bei Betriebsmitteln in Anspruch genommen werden.
Zulieferer vor schwierigem Jahr
Der Nachfrageeinbruch bei PKW hat nach den Herstellern jetzt auch die südwestfälischen Zulieferer erreicht. Eine Blitzumfrage des Automotive-Netzwerks Südwestfalen zeigt einen deutlichen Stimmungsumschwung.
Lieferengpässe, Fachkräftebedarf und hohe Rohstoffpreise prägten noch vor wenigen Wochen das Bild. Der rückläufige Neufahrzeug-Absatz in den USA und Europa - im September 8 % weniger Zulassungen - schlägt sich nun auch in den Auftragsbüchern der Zulieferer in Südwestfalen nieder. Bei mehr als 2/3 der Unternehmen hat sich die Auftragslage seit dem Sommer verschlechtert, bei 20 % sogar besonders gravierend. Weil eine gewisse Beruhigung nach dem Boom da und dort ganz recht kommt, fällt die Bewertung der aktuellen Geschäftslage insgesamt noch befriedigend aus. Eingebrochen sind hingegen die Erwartungen für 2009. Mehr als 60 % der Netzwerk-Mitglieder gehen von einer weiteren Verschlechterung der Geschäftslage aus. Sie erwarten Umsatzrückgänge und als Folge sinkende Investitionen und einen deutlich geringeren Personalbedarf. Da bleibt als schwacher Trost, dass die Unternehmen direkt von der Finanzmarktkrise nicht betroffen sind. Der Zugang der überwiegend mittelständischen Unternehmen zu den Kapitalmärkten jedenfalls hat sich nach Ansicht der Zulieferer nicht verschlechtert.
Weil viele Unternehmen auch anderen Branchen (Maschinenbau, Hausgeräte, Bauwirtschaft) zuliefern, können Sie zwar Absatzrückgänge mit Automobilprodukten teilweise ausgleichen. Bei einer weiteren Zuspitzung der Situation kann jedoch ein Personalabbau nicht ausgeschlossen werden. Viele mittelständische Zulieferer werden aber zunächst auf Überstunden-Abbau oder Kurzarbeit setzen, bevor es zu Entlassungen als „Ultima Ratio" kommt. Bekanntlich liegt in jeder Krise auch eine Chance: Sie verschafft wieder Freiraum für die Entwicklung neuer Produkte, die Suche nach neuen Märkten und die Kooperation mit den zahlreichen Partnern im Branchen-Netzwerk Automotive Südwestfalen.
8. Unternehmertreff: Kooperation trotz Wettbewerb Auch ein direkter Wettbewerb schließt erfolgreiche und vertrauensvolle Kooperatio-nen nicht aus. Im Olper VIA-Verbund jedenfalls kooperieren mittlerweile 15 Unterneh-men seit mehr als zehn Jahren zunehmend mit Erfolg.
Von Anfang an mit dabei war die Heinrich Huhn GmbH & Co. KG aus Drolshagen. „Allein der Gedanke, dass wir uns mit direkten Wettbewerbern zusammensetzen würden, um Gemeinsamkeiten für Kooperationen auszuloten, war damals für viele unglaublich", berichtete Geschäftsführer Alexander Huhn. Aus diesen ersten Anfängen sind mittlerweile drei VIA-Gemeinschaftsunternehmen entstanden die sich z.B. mit Laserschweißen und -schneiden, Hydroforming und hydrostatischer Umformung, Oberflächenbehandlung, Konstruktion und Beratung befassen. Jedes beteiligte Unternehmen hätte diese Tätigkeiten selbst nicht effektiv durchführen können. Für Werner Schmidt, Geschäftsführer des VIA-Verbundes galt dabei von Anfang an die Regel, „dass wir keinerlei Subventionen von unseren Gesellschaftern erhalten und im Wettbewerb mit dem Markt bestehen müssen."
Kooperationen bedeutet für die VIA-Unternehmen auch Informationsaustausch auf allen Unternehmensebenen, woraus weitere Projekte wie die gemeinsame Beschaffung von Werk-zeugen oder Energie entstanden sind. VIA ist damit der Beispielfall erfolgreicher Kooperationen, der auch für die künftige Zusammenarbeit der mehr als 300 Unternehmen im Automotive Netzwerk Südwestfalen ein wichtiger Orientierungsmaßstab ist. Auch das Erfolgsgeheim-nis, wie man Wettbewerber ist und bleibt, und trotzdem erfolgreich miteinander kooperiert, ist nun gelüftet: „Man braucht klare Spielregeln und muss natürlich auch die Grenzen der Kooperationsfähigkeit erkennen", so Werner Schmidt. Fast noch wichtiger aber sei Offenheit, Ehrlichkeit und Vertrauen in die handelnden Personen. Da dies nun gerade typische Eigenschaften südwestfälischer Unternehmer sind, erklärt sich der Erfolg des VIA-Verbundes fast von selbst.
Südwestfälische PKW-Zulieferer fordern wettbewerbsneutrale CO2-Politik in Europa
Südwestfalens Auto-Zulieferer erwarten eine wettbewerbsneutrale CO2-Politik der EU. Diesen Wunsch gaben sie dem Europaabgeordneten Dr. Peter Liese mit auf den Weg nach Brüssel.
In einem Gespräch mit dem Mescheder Europa-Parlamentarier unterstützten die Zulieferer die politischen Ziele zu klimafreundlicheren Fahr-zeugen. Sie wollen mit innovativen Produkten zu kraftstoffsparenden Fahrzeugen beitragen. Das nützt nicht nur der Umwelt, sondern sichert auch einen Wettbewerbsvorteil vor der Billig-Konkurrenz.
Mit der Festsetzung des durchschnittlichen CO2-Grenzwertes von 130 g/km könnten allerdings nicht alle PKW-Segmente „über einen Kamm geschoren“ werden. Gerade bei größeren Fahrzeugen aus dem Premium-Segment müsse deren höheres Gewicht berücksichtigt werden. Der im vergangenen Dezem-ber von der EU-Kommission vorgelegte Verord-nungs-Entwurf enthält eine solche Gewichtsdifferenzierung. Sie bevorzugt nach Meinung der Zulieferer allerdings noch zu sehr das Kleinwagen-Segment. Dabei seien Einsparungen wegen der hohen Fahr-zeugzahlen bis zur Kompaktklasse besonders wirksam. Premiumfahrzeuge seien Innovationstreiber für fortschrittliche Technologien, die sich später auch in anderen Fahrzeugklassen durchsetzten.
„Wer heute Premiumfahrzeuge diskrimiert, behindert den Umweltschutz von morgen“, mahnten die heimischen Zulieferer, für die der Premiummarkt immens wichtig ist. Über 60 % des Umsatzes der deutschen PKW-Hersteller und ein hoher Exportanteil entfällt auf die Premiumfahrzeuge der Marken Audi, BMW, Mercedes, Porsche oder auch VW.
„Geben Sie als Politiker das Ziel vor, aber überlassen Sie uns den Weg dorthin“, lautete der Appell an Peter Liese, sich ausschließlich für Grenzwerte und nicht für spezielle Technologien einzusetzen. So könne künftig beispielsweise durch den Fortschritt in der Klimatisierungstechnik weit mehr erreicht und damit ein wesentlicher Beitrag im Gesamtfeld zur CO2-Reduzierung geleistet werden.
7. Unternehmertreff AutomotiveNetzwerkSüdwestfalen Mit optimierter Kfz-Elektronik zu mehr Klimaschutz
Die hohen CO²-Reduktionsziele der Politik kann die Automobilindustrie nur durch enge Kooperation mit den Zulieferern erfüllen. Einen wichtigen Beitrag leistet dabei künftig eine noch effizientere und intelligente Elektronik.
Um rund 40g CO2 je km soll der Treibhausgas-Ausstoß neuer Autos bis 2012 gesenkt werden – überwiegend durch effektivere Motorentechnologie, aber zu einem Viertel auch durch weitere technische Maßnahmen am Fahrzeug. „Die Automobilhersteller erwarten, dass der Energieverbrauch unserer Klimageräte weiter sinkt!“ Michael von Buttlar, Leiter der Produktentwicklung beim Lippstädter Hersteller von Klimabediengeräten BHTC, sieht hier noch erhebliches Einsparpotenzial.
Beim 7. Unternehmertreff des Automotive Netzwerkes Südwestfalen konnte der Chefkonstrukteur des Behr-Hella Joint-Venture-Unternehmens auch gleich die ersten Erfolge vermelden: Seit 1997 ist der durchschnittliche Benzinverbrauch von Klimaanlagen von über 0,6 auf 0,5 l/100 km gesunken. Durch die Reduzierung thermischer Verluste, die Anpassung von Software, eine Verbesserung der Kühlkreislauf-Leistung und ein neues Kältemittel soll schon bis 2012 der Sprung unter die 0,4 l geschafft werden. Die neueste Gerätegeneration wird künftig eine Energiespartaste mit energetischer Optimaldosierung erhalten. „Damit unterstützen wir unsere Kunden auf dem schwierigen Weg, die ehrgeizigen Klimavorgaben zu erreichen“, so von Buttlar.
Auch die intuitive Bedienung und die Oberflächengestaltung wird kontinuierlich verbessert und so zu mehr Verkehrsicherheit beitragen. Zu viele versteckte Funktionen lenken noch den Fahrer ab. Von Buttlar: „Bei manchem Automobil-Hersteller muss aber noch Überzeugungsarbeit geleistet werden, dass die Zahl der Bedienelemente kein Qualitätsmerkmal ist!“ Offen aufgenommen werden hingegen weitere Innovationen der Klimatechnik wie etwa verschiedene Klimazonen im Fahrzeug, individuelle Einstellungen für warme Füße und einen kühlen Kopf, LCD-Bediendisplays oder Innenraumbeduftung, die selbstverständlich an die jeweiligen Wünsche wechselnder Fahrer angepasst werden kann.
Die hohe Innovationsdynamik in der Klimatechnik ist typisch für die gesamten Elektronik-Baugruppen im Automobil. Martin Swade, Geschäftsführer des im Lippstädter Cartec beheimateten Software-Entwicklers Ludvik-Mikrocontroller, analysierte die Ursachen für häufige Elektronik-Fehler: „Immerhin finden 90 % der automobilen Innovationen in der Elektronik statt.“ Der Software-Umfang im Kfz verdoppelt sich alle 2-3 Jahre. Schwachstellen oder Fehlerquellen müssen daher auch angesichts der deutlich verkürzten Entwicklungszeiten bereits in der Anfangsphase identifiziert und durch Ermittlung aller möglichen Szenarien und Testfälle herausgefiltert werden. Immerhin sind lt. ADAC-Statistik Elektrik- und Elektronikprobleme für fast 40 % aller Pannen verantwortlich. Dass sich diese Quote künftig senken lässt, will Swade angesichts der weiteren Elektronisierung des Automobilbaus aber nicht beschwören.

Automotive Südwestfalen begrüßt 250. Mitglied Die Georg Fischer GmbH aus Werdohl ist das 250. Unternehmen, das sich dem Automotive Netzwerk Südwestfalen angeschlossen hat.
Das von den IHKs Arnsberg, Hagen und Siegen initiierte und betreute Netzwerk hat damit schon nach eineinhalb Jahren seines Bestehens eine hohen Organisationsgrad in der Branche erreicht. „Wir gehören mittlerweile zu den größten regionalen Automotive-Netzwerken in Deutschland. Jeder zweite Zulieferbetrieb in Südwestfalen ist dabei“, betont IHK-Projektleiter Thomas Frye.
Die Firma Georg Fischer fertigt mit 340 Mitarbeitern am Standort Werdohl Motorblöcke aus Aluminiumdruckguss sowie Getriebe- und Kupplungsgehäuse für die Automobilindustrie. Zu den Kunden gehören nahezu alle namhaften Automobilhersteller weltweit. Zum Beispiel werden in Werdohl Motorblöcke für sämtliche 1,6 Liter Common-Rail-Diesel-Motoren von Peugeot, Citroen und Ford produziert. Insgesamt verlassen jährlich 500.000 Motorblöcke das Werk. „Für die Fertigung ist spezielles Gießerei-Know-how erforderlich. Es wird immer schwieriger, geeignete Fachkräfte zu gewinnen“, sagt Volker Dankwort, Geschäftsführer der Georg Fischer GmbH, Werdohl. Hier bietet das Automotive Netzwerk Südwestfalen gezielte Unterstützung.
Das Automotive Netzwerk Südwestfalen ist eine Plattform für Kooperationen bei Entwicklung, Produktion, Vertrieb und Personalgewinnung und verleiht den Zulieferunternehmen überregional das entsprechende Gewicht. Weitere Informationen gibt es auf den Websites www.automotive-sw.de und www.zukunft-automotive.de.

(v.l.) Dirk Hackenberg, SIHK Hagen, Volker Dankwort Geschäftsführer Georg Fischer Automotive, Thomas Frye, IHK Arnsberg und Bodo Müller, Mitglied der Geschäftsleitung Georg Fischer Automotive
Automotive Netzwerk Südwestfalen will 1,5 l Auto mitentwickeln Wird das vielbeachtete 1,5l-Auto „Loremo“ künftig mit Hilfe der Zulieferer aus Südwestfalen entwickelt? Die Chancen stehen nicht schlecht, denn schließlich ist die Region einer der Schwerpunktstandorte der deutschen Automobil-Zulieferindustrie.
Loremo-Vorstandsmitglied Stefan Ruetz jedenfalls zeigte sich beim 5. Unternehmertreff des Automotive Netzwerkes Südwestfalen bei GEDIA in Attendorn beeindruckt von den Kompetenzen der heimischen Zulieferer. Er stellte nicht nur das Konzept des Low Resistance Mobile vor, sondern kam mit zahlreichen Netzwerk-Mitgliedern ins Gespräch rund um Gewichtsreduktion, Interieur und Elektronik. Weitere Kontakte sind schon verabredet.
Ab 2008 – der NRW-Förderung sei Dank – wird das in München als Show-Car entwickelte Konzept in Dorsten zur Serienreife gebracht. 2010 soll dann die Serienproduktion folgen. Von zunächst einmal 10.000 Fahrzeugen geht Ruetz im Startjahr aus – eine sehr vorsichtige Schätzung, denn immerhin liegen schon deutlich mehr Bestellanfragen vor.

Der Loremo ist ein faktischer Zweisitzer, in der Grundversion motorisiert mit einem 20 PS 2-Zylinder Diesel-Motor. Sein geringes Gewicht von nur 450 kg und der günstige CW-Wert (0,22) sollen ihn zu einem wahren Sprit-Sparwunder werden lassen. Trotzdem bietet das Design etwas fürs Auge und dürfte damit nicht nur den ökologisch angehauchten Autofahrer ansprechen : „Natürlich kommt uns die aktuelle Klimadiskussion entgegen,“ unterstrich Ruetz. Der Entwicklungschef sieht jedoch die wirtschaftlichen Aspekte und den Fun-Faktor als mindestens gleichwertig an. Simple, Clever, Fun – der Slogan soll deutlich machen, dass neben Umweltbewussten auch Berufspendler und junge Käufer zu den wichtigsten Zielgruppen des Loremo zählen.
Weitere Informationen: www.loremo.com
4. Unternehmertreff des AutomotiveNetzwerkSüdwestfalen: Elektronik für das Auto von morgen
„Im Auto der Zukunft wird die Elektronik ein essenzieller Baustein zur Gewährleistung der Fahrzeugsicherheit und für den Betrieb sein.“ Toni Viscido, Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen Aachen mbH, erwartet den Durchbruch elektronischer Bauteile auf allen Ebenen des Automobils.
Aus dem Auto von morgen ist die Elektronik nicht mehr wegzudenken. Längst hat sie das Interieur und den Bereich der reinen Fahrerinformation verlassen und sich auf Lenkung, Bremsen und Motorsteuerung ausgedehnt. „In naher Zukunft wird die gesamte Fahrzeugdiagnose elektronisch erfolgen“, so Toni Viscido beim 4. Unternehmertreff des Zulieferer-Netzwerks Automotive Südwestfalen. Falle eine wichtige Funktion aus, müsse das System nicht nur den Fahrer informieren, sondern unter Umständen selbständig eingreifen, ggfs. die Ge-schwindigkeit drosseln oder das Fahrzeug stilllegen. „Im Idealfall informiert das System die Vertrags-Werkstatt bereits frühzeitig über erforderliche Eingriffe.“

Toni Viscido, FKA, sieht die Notwendigkeit, die gesamte elektronische Fahrzeug-Architektur anzupassen
Selbst ausschließlich mechanische Komponenten würden elektronisch gesteuert oder überwacht. Deshalb seien auch die Zulieferer dieser Komponenten gefordert, elektronische Trends in ihre Produktentwicklung einfliessen zu lassen. Über die eigentliche Wertschöpfungskette hinaus entwickle sich daher ein stiegender Kooperationsbedarf durch das notwendige Zusammenwachsen der elektronischen Teile zu einem integrierten System innerhalb des Fahrzeugs ebenso wie mit seiner Umwelt – z.B. zur Kopplung des Fahrzeugsystems mit der Verkehrsleittechnik. Auf die Zulieferer würden hier besondere Integrations-Herausforderungen zukommen.
Die gesamte elektronische Fahrzeug-Architektur müsse bei einer derart komplexen Vernetzung innerhalb des Automobils neu entwickelt werden. Das Bordnetz müsse weiterentwickelt und den gestiegenen Anforderungen angepasst werden, etwa durch den Einsatz von Bus-Technik zur dezentralen Steuerung. Schließlich werde auch die Energieversorgung dem wachsenden Bedarf anzupassen sein. Viscido: „Mit der herkömmlichen 12 Volt-Batterie kommen wir wohl auf Dauer nicht mehr zurecht.“ Auch die Wertschöpfungsentwicklung im Zuliefermarkt wird maßgeblich von der Elektronik bestimmt. Die Fraunhofer Gesellschaft etwa prognostiziert den wertmässigen Anteil elektronischer Bauteile auf 40 % im Jahr 2010.
3. Unternehmertreff des AutomotiveNetzwerkSüdwestfalen:
Aerospace-Markt stellt hohe Anforderungen an Zulieferer
Der Beschaffungsmarkt der Luft- und Raumfahrtindustrie weist viele Parallelen zur Automobilindustrie, aber auch einige interessante Besonderheiten auf. Das wurde beim 3. Unternehmertreff des AutomotiveNetzwerkSüdwestfalen am 12. September auf Burg Altena deutlich.
„Mit einem externen Einkaufsvolumen von etwa 2/3 unserer Bruttoproduktionsleistung haben die Zulieferer eine zentrale Stellung für den Erfolg des Konzerns“, unterstrich Matthias Gramolla, Vizepräsident für Beschaffungsstrategie des Europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS. Etwa 50% des Beschaffungsvolumens von zuletzt 29 Mrd. € entfielen auf hochkomplexe Systeme, Ausrüstung und Struktur bei Airbus, Eurocopter, Raumfahrt, Verteidigung und militärischen Transportflugzeugen, den Produktfeldern der European Aeronautic Defence and Space Company. Gramolla: „Gerade hier sind wir auf das Know-how und die enge Zusammenarbeit mit unseren Zulieferern angewiesen“.
Partnerschaftliche Zusammenarbeit
Zur Reduzierung des Koordinationsaufwands ist EADS ähnlich wie die Automobilindustrie bestrebt, die Zahl der Direktzulieferer auf ausgewählte Systemlieferanten zu beschränken. „Die 25 größten Zulieferer haben einen Anteil am Gesamtvolumen von 50 %“, machte Gramolla den Grad der Konzentration deutlich. Hier stelle der Konzern besonders hohe Anforderungen an Zuverlässigkeit und Sicherheit des Lieferanten. „Da schauen wir sehr genau hin und prüfen, ob er in der Lage ist, u.a. seine Supply Chain zu managen“, betonte der Beschaffungsstratege des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns. Ein ausgeklügeltes Bewertungssystem beurteile die Lieferanten zudem nach Preiswürdigkeit, Innovationsfähigkeit, Qualitätsführerschaft, Liefertreue und Produkt-Support. „Unsere Lieferanten sind aufgefordert, sich an kontinuierlichen Verbesserungen zu beteiligen. Sie sollen im Sinne der angestrebten partnerschaftlichen Zusammenarbeit auch an den Erfolgen teilhaben“, so Gramolla.
Langfristige Lieferantenbindung
Wer es geschafft hat, zum ausgewählten Kreis der EADS-Direktlieferanten zu gehören, hat eine deutlich bessere Position, als ein vergleichbarer Automobil-Zulieferer. Wegen der langen Produktlebenszyklen von Flugzeugen, Satelliten oder Raketen von bis zu 30 Jahren und der starken Spezialisierung sei eine entsprechend lange Zusammenarbeit notwendig. „Ein Lieferantenwechsel ist in dieser Zeit schwierig.“ Europäische Zulieferer halten deutlich den maßgeblichen Anteil der Supply Chain der EADS, während „asiatische Unternehmen direkt bisher nur einen Zulieferanteil von etwa 1 %“ haben. Schließlich erwarte der Staat – als Kunde in der Raumfahrt und der Verteidigung, dass bevorzugt in den Heimatländern der EADS eingekauft werde. Allerdings werde sich dies mit der verstärkten Erschließung der Absatzmärkte in Asien deutlich verändern müssen. Gleichwohl wird es für viele Zulieferer interessant sein, sich dieser Produktnische des Automotive-Marktes zuzuwenden. Schließlich sind die Wachstumsperspektiven in den kommenden Jahren beachtlich. Davon werden die etablierten europäischen und amerikanischen Zulieferer ebenso profitieren wie Zulieferer in neuen Absatzmärkten.
Automotive-Netzwerk mit großer Beteiligung
Mehr als 150 Unternehmen haben sich mittlerweile dem von den IHKs Arnsberg, Hagen und Siegen initiierten AutomotiveNetzwerkSüdwestfalen angeschlossen. Für das kommende Jahr sind erstmals gemeinsame Messeauftritte und Initiativen zur Gewinnung qualifizierten Fachpersonals und Fachkräftenachwuchses verabredet worden. Mit Unterstützung einer Netzwerk-internen Internet-Kommunikationsplattform konnten bereits mehrere Vertriebskooperationen eingegangen werden.

EADS-Einkaufskoordinator Matthias Gramolla: „Von der partnerschaftlichen Zusammenarbeit müssen beide profitieren!“
Südwestfalen wichtiger Zulieferer-Standort der Aerospace-Industrie
Mit einem wertmäßigen Zulieferanteil von 6 % Prozent gehört NRW im nationalen Vergleich zu den wichtigsten Herkunftsregionen für EADS-Produkte. Südwestfalen spielt dabei eine besondere Rolle. So sind mit der Otto Fuchs KG (Meinerzhagen – Nr. 1 ) der Goodrich Lighting Systems GmbH (Lippstadt – Nr. 3 ) und der Titan Aluminium Feinguß GmbH (Bestwig, Nr. 9) gleich 3 Unternehmen unter den TOP 10-Zulieferern von EADS in NRW zu finden.
2. Unternehmertreff AutomotiveSüdwestfalen:
Mit dem „Türöffner“ zum Direkt -Zulieferer „Die Automobilkonzerne lassen sich in ihrem Beschaffungsverhalten nicht alle über einen Kamm scheren,“ erklärte Ahmet Yilmaz beim 2. Unternehmertreff des AutomotiveNetzwerkSüdwestfalen am 18. April in Siegen. Als Dienstleister an der Schnittstelle zwischen Herstellern und Lieferanten konnte er aus langjähriger Erfahrung im Umgang mit Zulieferern berichten.
„Das Entwicklungs- und Einkaufs-Verhaltens ist längst nicht mehr so hierarchisch ausgerichtet, wie in der Vergangenheit“, so der Vorsitzende des Arbeitskreises Automobil-Zulieferindustrie bei der Türkisch-Deutschen IHK. Bei verschiedenen Herstellern sei der Trend zum Aufweichen der traditionellen Zuliefererpyramide zu erkennen - z. B auch bei VW. Immer mehr Entwickler zeigten sich durchaus aufgeschlossen für Hersteller der 2. oder 3. Ebene (second and third Tier).
Wer allerdings im Direktgeschäft mit den Herstellern erfolgreich sein will, muss Innovationsträger oder Qualitätsführer sein und möglichst auch noch Koordinationsaufgaben zu benachbarten Baugruppen übernehmen können. „Viele Teile- und Komponenten-Zulieferer bringen diese Voraussetzungen mit, sind aber zu ängstlich, den direkten Kontakt zu den Herstellern zu suchen,“ berichtete Yilmaz aus seiner Erfahrung. Sie brauchten neben mehr Selbstbewusstein vor allem Beharrlichkeit und sollten sich auch nicht von der zunehmenden Beschaffungs-Bürokratie der Hersteller abschrecken lassen. Auch aus den Misserfolgen müssten die richtigen Erkenntnisse gezogen werden. Gerade deshalb sei es wichtig, zu erfahren, warum ein Produkt nicht angekommen ist – und dazu brauchten Zulieferer einen „guten Draht“ zur Entwicklungsabteilung. Mit dem richtigen „Türöffner“ liessen sich so neue Wege aufzeigen - oder zumindest Erkenntnisse über noch vorhandene Produktdefizite gewinnen. Zulieferer-Lobbying kann daher nach Auffassung von Yilmaz eine der Hauptaufgaben eines künftigen Managements von AutomotiveSüdwestfalen jedenfalls für Schwerpunkt-Produktgruppen aus der Region sein.
Auch die häufig geforderte Vor-Ort-Präsenz sei für kleinere und mittlere Unternehmen selbstständig kaum lösbar und mit der zunehmen Verlagerung von Montagebändern nach Osteuropa oder Asien eine Aufgabe von zunehmender Komplexität. Hier könnten externe Dienstleister eine wichtige Schnittstellenfunktion wahrnehmen, wenn sie mit umfangreichem Know-how über das Produkt und dem nötigen Zugang zu den Entwicklern ausgestattet seien.
Automotive-Südwestfalen beim ‚Tag der Region’ im Landtag
Arnsberg/Düsseldorf. Südwestfalens Automotive-Zulieferer sind in Düsseldorf gut bekannt – spätestens seit sich das Netzwerk Automotive Südwestfalen beim „Tag der Region“ im Landtag präsentierte.

Ministerpräsident Jürgen Rüttgers informierte sich auf dem Stand des AutomotiveNetzwerk Südwestfalen
„Ich weiss, dass Südwestfalen NRW’s Top-Standort der Zulieferer ist“, bekräftigte Ministerpräsident Jürgen Rüttgers bei einem Besuch des Automotive-Standes. Das von den IHKs Arnsberg, Hagen und Siegen initiierte Netzwerk war mit einer Produktausstellung vertreten und wurde dabei vom Lippstädter Technologiezentrum Cartec und der Verbundinitiative Innovativer Automobilzulieferer (VIA) aus Olpe unterstützt.
Rüttgers, Arbeitsminister Karl-Josef Laumann, Umweltminister Eckhard Uhlenberg und Landtagspräsidentin Regina van Dinther waren die prominentesten Besucher. Sie informierten sich über die Bedeutung der Branche, die Aktivitäten des Netzwerkes und die Produktvielfalt. Auch bei den politischen Vertretern der Region, Regierungspräsident Helmut Diegel und den südwestfälischen Landräten Wilhelm Riebniger (Soest), Dr. Karl Schneider (Hochsauerland), Alois Steppuhn (Märkischer Kreis), Frank Beckehoff (Olpe) und Paul Breuer (Siegen-Wittgenstein) sorgte die Produktausstellung für den einen oder anderen Aha-Effekt. Ein 12-Zylinder-Kurbelgehäuse für die Maybach Luxuslimousine (Hersteller: Honsel, Meschede), Formel-1-Hinterachsfedern von Ralf Schumacher (Eibach, Finnentrop) Sicherheitsgurte für Motorsport und Luftfahrt (Schroth, Arnsberg), Diesel-Rußpartikelfilter (HJS, Menden) oder Frontends für den Opel Corsa (Kirchhoff, Iserlohn) belegten für Prominenz und allgemeine Öffentlichkeit die Fertigungs- und Entwicklungskompetenz der südwestfälischen Automotive-Zulieferer.

Landtagspräsidentin Regina van Dinther machte es sich zur Freude der Landräte und Regierungspräsident Diegel bequem.
Hella setzt auf Kunden-Mehrwert durch Netzwerkstrategie
„Mit Kooperationen ist es wie mit jeder guten Beziehung. Vertrauen und gegenseitige Achtung sind unverzichtbar!“ Dr. Jürgen Behrend, persönlich haftender Gesellschafter der Hella KG aA, setzt im schwierigen Zulieferer-Geschäft auf zahlreiche Partner und hat vor allem klare Vorstellungen von den Grundlagen erfolgreicher Zusammenarbeit.
In seinen Geschäftsbereichen Licht, Elektronik und Handel ist der Lippstädter Automobil-Zulieferer Hella in den letzten 10 Jahren zum strategischen Kernlieferanten im Erstausrüster- und im Werkstattgeschäft geworden. Die enge Zusammenarbeit mit zahlreichen Partnern auf nationaler wie auch auf internationaler Ebene war dabei ein wichtiges Element dieser überaus erfolgreichen Strategie. „Kooperation statt Konzentration“, so bezeichnet Dr. Behrend den Ausgangspunkt der Hella-Netzwerk-Strategie. Die Zusammenarbeit mit Partnern, die über komplementäre Kompetenzen verfügen, biete die Chance, sich im Wettbewerb auch gegenüber größeren Unternehmen zu behaupten. Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit sei, dass die Grundprinzipien der Unternehmenskultur bei den Partnern übereinstimmten.
Gemeinsam mit dem Stuttgarter Klimaspezialisten Behr und dem französischen Kunststoff-Hersteller ‚Plastic Omnium’ hat Hella bereits 1992 ein Joint Venture gegründet, das heute als weltweit einziges Unternehmen auf Design, Entwicklung, Montage und Logistik integrierter Frontendmodule spezialisiert ist. Strategische Allianzen und Joint-Ventures mit der koreanischen SL-Corporation eröffnen seit 2002 neue Absatzfelder im asiatischen und osteuropäischen Raum.
„Beide Kooperationen sind nur erfolgreich, weil sich die Partner auf Augenhöhe begegnen, also keiner vom anderen majorisiert wird,“ unterstrich Dr. Behrend. Notwendig sei eine „Win-Win-Situationen für beide Partner“. Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit müsse der klare Mehrwert für den Kunden stehen. „In einem Fall konnten wir durch eine Kooperation die Entwicklungszeit eines Produktes von 36 auf 24 Monate verkürzen und gleichzeitig die mögliche Variantenzahl verdreifachen. Das hat den Kunden natürlich überzeugt.“ Allerdings sei der Erfolg nur durch Unabhängigkeit der Joint-Ventures-Geschäftsführer möglich gewesen – um schneller Entscheidungswege und einer klaren Unternehmensstrategie Willen. „Die Joint-Ventures müssen eigenverantwortlich und unabhängig von den Muttergesellschaften agieren können“, lautet die eindeutige Hella-Unternehmensphilosophie. Dr. Behrend ist überzeugt davon, dass diese Philosophie für die großen, weltweit tätigen First-Tier-Suppliers ebenso gilt, wie für Second- und Third-Tier-Suppliers. Auch die Zusammenarbeit eines großen Zulieferers mit kleineren Unternehmen könne interessant sein, wenn diese spezielle Technologien entwickelt hätten. Ziel von Kooperationen müsse es sein, sich gegenseitig zu entlasten und gemeinsam Synergien zu schaffen.
Auch die Stärkung der Eigenverantwortung und damit zufriedene, engagierte und qualifizierte Mitarbeiter sind nach Hella-Ansicht unverzichtbar. Der Erfolg gibt diesem Ansatz Recht. In den letzten 10 Jahren erwirtschaftete der Lippstädter Hersteller, der an mittlerweile 48 Standorten rund um den Globus mit Produktion oder Entwicklung vertreten ist, ein durchschnittliches Umsatzwachstum von jährlich 8%. Die Mitarbeiterzahl stieg im gleichen zeitraum weltweit um jährlich 4 %.
Trotz aller Erfolgsmeldungen allerdings muss auch Dr. Behrend eingestehen. „Auch bei uns läuft bei weitem nicht alles rund“. Vor allem bei der Personalentwicklung trifft der Global-Player Hella auf Probleme, von denen auch der Metallverarbeiter um die Ecke ein Lied singen kann. „Wir haben 150 offene Stellen für Ingenieure, die wir momentan nicht adäquat besetzen können.“
Erfolgreicher Start des Zulieferer-Netzwerks Automotive Südwestfalen
Bei den Automobilzulieferern findet gegenwärtig ein gewaltiger Ausleseprozess statt. „Bis 2015 wird sich die Zahl der Zulieferer weltweit halbieren“, prognostizierte Dr. Bernd Hellingrath, Fraunhofer Institut, beim Auftakttreffen der Netzwerk-Initiative Automotive Südwestfalen am 04.11.2005 in Hagen.
In dieser Situation müssen vor allem kleinere Unternehmen lernen, aufeinander zuzugehen, empfahl Matthias Popp, Vorstandssprecher des Aachener Netzwerks Car e.V., den 150 Unternehmern und Vertretern von Institutionen. „Wir müssen uns selber helfen, miteinander reden, und unsere Probleme durch engere Kooperationen lösen“, konnte Popp aus seinen Aachener Erfahrungen berichten. Doch nicht nur bei kleineren Unternehmen fällt die Initiative der südwestfälischen Industrie- und Handelskammern Arnsberg, Hagen und Siegen auf fruchtbaren Boden. Für Dr. Jochen Kirchhoff, geschäftsführender Gesellschafter des System-Zulieferers Kirchhoff-Automotive aus Iserlohn, sind gerade in Zeiten der Globalisierung flexible und leistungsfähige kleine Zulieferer wichtiger denn je. „Gemeinsam können wir unsere Produktivität verbessern und damit im Wettbewerb bestehen“, appellierte Kirchhoff an alle Unternehmen der Branche, sich in das Netzwerk einzubringen. Ansatzpunkte für gemeinsame Aktivitäten ergeben sich in der gemeinsamen Beschaffung, des Personalrecruitments, der verbesserten Auslastung vorhandener Fertigungskapazitäten und der gemeinsamen Produkt-Entwicklung.
Grundvoraussetzung für intensive Kooperationen sind gute persönliche Kontakte und ein Vertrauensverhältnis. Dies will das Netzwerk fördern und in einem ersten Schritt den passenden Rahmen für Zulieferertreffen bieten.
Car-Vorstandssprecher Matthias Popp berichtete über ein erfolgreiches Netzwerk in der Region Aachen (Foto: SIHK)
Die Untersuchung „Die Automobilzulieferer in Südwestfalen“ der Industrie- und Handelskammern Arnsberg, Hagen und Siegen finden Sie als Download.
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